Grüne Gabionen (EUProfil)
Drittmittelprojekt mit Industriebeteiligung

Prof. Dr.-Ing. Henning Günther

Prof. Dr. rer. nat. Kathrin Harre

Auf dem Wasser, d.h. ohne Kontakt zum Gewässergrund bepflanzte Vegetationsstruturen werden als schwimmende oder wegen des Einsatzes von lebenden Pflanzen auch als lebende Inseln bezeichnet. Sie bieten ein hohes Potenzial zur gestalterischen und ökologischen Entwicklung von Gewässern, weil sie zur Entwicklung naturnaher Uferstrukturen in Bereichen eingesetzt werden können, welche aufgrund von Uferverbau oder Wassertiefe für eine Begrünung eigentlich ungeeignet wären. Schwimmende Vegetationsstrukturen besitzen daher ein hohes Potenzial für die Entwicklung von künstlichen oder erheblich veränderten Gewässern zur Umsetzung der Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie (EU-WRRL). Zudem werden die auf dem Wasser schwimmenden Inseln als besonders resistent gegenüber den Folgen des Klimawandels bzw. des Stadtklimas angesehen. Durch prognostizierte Starkregenereignisse bzw. länger anhaltende Trockenperioden ist zukünftig mit stark schwankenden Wasserständen von urbanen Gewässern zu rechnen. Auf dem Wasser schwimmende Pflanzenbestände können weder überstaut werden noch trocken fallen. Sie tragen weiterhin durch die Steigerung der Verdunstung und Verbesserung der Selbstreinigungskraft der Gewässer zu einer Abmilderung der Folgen des Stadtklimas bei.
In vorangegangenen Projekten wurde eine Technik entwickelt, mit der nach natürlichen Vorbildern (Schwingmoore oder Schwing-röhrichte) die Etablierung selbstschwimmender Vegetations-strukturen auf Gewässern eingeleitet werden kann. Die Technik besteht aus einem organischen Körper, welcher mit ausgewählten Pflanzenarten bepflanzt wird. Eine seiner zentralen Eigenschaften ist im Gegensatz zu bisherigen Methoden die ausschließliche Verwendung von organischen bzw. verrottbaren Materialien. Auf diese Weise können diese Strukturen großflächig eingesetzt werden, ohne dass Kunststoffe etc. dauerhaft in die Gewässer eingebracht werden (sekundäre Verschmutzung). Ebenso können nur auf diese Weise die natürlichen und damit dauerhaften Erhaltungszustände eingeleitet werden, durch welche die künstlichen Strukturen ohne weiteren Unterhaltungsaufwand auf dem Wasser schwimmen.
Schwachpunkt der bisherigen Technik ist die Verbindung des organischen Körpers mit Hilfe von Eisendraht sowie die durch dieses Verbindungsmaterial bedingte Form des organischen Ausgangsmaterials. Sollte der Draht schneller verrosten als die Pflanzen den Körper durchwurzeln und festigen, dann verliert der Gabionenkörper seinen Zusammenhalt. Ein auf die Entwicklung der Pflanzen abgestimmtes alternatives Verbindungsmaterial könnte diesen Schwachpunkt beheben. Auch die Form des organischen Ausgangsmaterials könnte modifiziert und damit die Auftriebseigenschaften optimiert sowie die Herstellung großer Stückzahlen ermöglicht werden.
Als alternatives Verbindungsmaterial sollen aktuelle und neu zu entwickelnde Polymerschäume erprobt und entwickelt werden, welche in der Initialphase die Festigkeit der organischen Körper gewährleisten und mittelfristig eine Durchwurzelung durch eingesetzte Pflanzen ermöglichen. Die Polymerschäume sollen organisch abbaubar sein und keinen dauerhaften Eintrag in die Gewässer darstellen, weil langfristig die Festigkeit der Körper durch die Vegetation gewährleistet werden soll. Weiterhin soll das Auftriebsverhalten der organischen Körper durch eine gezielte Porenraumgestaltung und Zuschlagsstoffe unterstützt werden. Auf diese Weise kann differenziert auf unterschiedliche Standortbedingungen auf Gewässern reagiert werden, welche z.B. durch unterschiedliche Wind- und Wellenexpositionen entstehen. 


SMWK

Gießereitechnik Kühn, Buscheritz/ Göda SONAC Rousselot BASF

01.04.2019 bis 31.12.2021